Einige der besten Erfindungen wurden nicht nach intensiver, jahrzehntelanger Forschung gemacht. Sie kamen bei Laborunfällen, durch Fehlkonstruktionen oder Missverständnisse zustande. Für solche Entdeckungen gibt es sogar ein Wort: Serendipität. Es bezeichnet eine positive, nicht beabsichtigte Entdeckung von etwas Neuem. Nutzbar wird es erst durch die Findigkeit des Entdeckers, der bereit ist, den glücklichen Zufall zu nutzen. Hier einige Beispiele, wie der Unfall zum Zufall wurde:
- Harry Coover versuchte mehrfach, Cyanacrylate für die Industrie nutzbar zu machen. Optische Bauteile oder Cockpithauben ließen sich damit aber nicht bauen. Zu klebrig war dieser merkwürdige Kunststoff. Warum ihn also nicht gleich als „Super Glue“ verkaufen? Der Sekundenkleber war erfunden. Coover ist einer der wenigen in dieser Sammlung, der mit seiner Erfindung auch reich wurde.
- Bei Spencer Silver lief es genau andersherum. Auch er war komplett gescheitert. Aber statt, wie vom Arbeitgeber verlangt, einen sehr starken Kleber zu entwickeln, löste sich seine Klebemasse leicht und rückstandslos von allen Oberflächen. Erst als sein Freund sich darüber ärgerte, dass ihm im Kirchenchor ständig die Lesezeichen aus dem Gesangbuch fielen, wurde die „Erfindung“ als Post-it nutzbar. Ein neues Kommunikationsmedium war erfunden.
- Eigentlich war es nicht einmal Thomas Sullivan, der den Teebeutel erfand. Seine Kunden packten den von ihm versendeten Tee einfach nicht aus, sondern hängten ihn in seiner kostensparenden Verpackung direkt ins heiße Wasser. Manchmal sind es die Einsparungszwänge, die (unfreiwillig) erfinderisch machen.
- Percy Spencer wollte 1946 eigentlich ein Bauteil für eine Radaranlage erproben. Als beim Testlauf ein Schokoriegel in seiner Hosentasche schmolz, hatte er versehentlich den Mikrowellenherd erfunden. Er war zwar nicht der Erste, der entdeckte, dass kurze elektromagnetische Wellen besonders gut zum Erwärmen geeignet sind. Aber er war der Erste, der ein Gerät mit dieser Funktionsweise auf den Markt brachte. Wie viele Erfindungen ist der „Radarherd“ auf dem Weg zum Mikrowellenherd zum Glück deutlich „mikro“ geworden. Das erste Gerät war 300 kg schwer und 1,80 m hoch.
- William Henry Perkin wurde unfreiwillig zum Trendsetter. Beim Versuch, 1855 das Malariamittel Chinin synthetisch herzustellen, verfärbte sich sein Laborkittel lila. Der erste synthetische Farbstoff, der nicht aus Textilien ausgewaschen werden konnte, war erfunden. Perkin-Violett wurde zur Trendfarbe.
- Manchmal ist es trotz zufälliger Entdeckung noch ein weiter Weg zum erfolgreichen Produkt. Robert Chesebrough wollte eigentlich ins Erdölgeschäft einsteigen. Bei der Besichtigung eines Ölfelds fiel ihm eine klebrige Masse auf, von der die Arbeiter behaupteten, sie würde zwar die Rohre verstopfen, aber auch zu schneller Wundheilung führen. Zehn Jahre verbrachte Chesebrough damit, dieses Abfallprodukt zu reinigen und daraus Vaseline herzustellen. Noch heute werden mit diesem Universalmittel Babypopos eingecremt, Leder imprägniert und Industrieanlagen vor Rost geschützt.
- Bonus: Ein gewisser Christoph Kolumbus machte sich 1492 auf eine beispiellose Entdeckungsreise. Er wollte den Seeweg nach Indien finden. Dass die Erde rund ist, wusste er schon, jedoch nicht, wie groß dieser Ball eigentlich ist. Nach 4.500 km war er überzeugt, wie geplant auf der ersten Inselgruppe vor Japan angelangt zu sein. In Wirklichkeit war er auf die Karibik gestoßen. Er ist der Einzige in unserer Liste, der bis zu seinem Tod nichts von seinem genialen Irrtum erfuhr.