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Warum es Freunde braucht

Investiere in Menschen!

Diesen kurzen Satz habe ich irgendwo aufgeschnappt – und er hat sich tief in mir festgesetzt. Drei Worte, die zunächst unlogisch wirken. Denn Beziehungen und Freundschaften folgen nicht der effizienten, kapitalistischen Logik von Gewinnmaximierung und Eigennutz. Und doch liegt genau darin ihre Kraft.
Das Wort Invest kommt vom lateinischen investire: einkleiden, bekleiden, in ein Amt einsetzen. Geld zu investieren bedeutete ursprünglich, etwas in eine neue Gestalt zu bringen, damit es fruchtbar wird. Übertragen auf unser Leben heißt das: Zeit, Aufmerksamkeit, Kraft – ja sogar Geld – so einzusetzen, dass Menschen aufblühen können.
So hat Jesus gelebt. Er gründete kein Unternehmen, schrieb kein Buch,
häufte kein Vermögen an. Er investierte vor allem in Menschen. In zwölf ganz gewöhnliche, unvollkommene Freunde. Und bis heute investiert er in uns.
In der Taufe werden wir, wie Paulus schreibt, mit Christus bekleidet. Gott selbst investiert sich in Beziehung.
Diese Haltung soll Fokus meines Lebens bleiben: Wem bin ich Freund?
Wie verbringe ich meine Zeit? Wofür habe ich Kraft? Und worin investiere
ich mein Geld? In Menschen. In Freunde.
Die Bibel spricht überraschend konkret über Freundschaft: Ein Freund steht allezeit zu dir (Spr 17,17). Und: Die Herzlichkeit eines Freundes erfreut das Herz (Spr 27,9). Freundschaft ist kein Nebenprodukt, sondern eine Lebensform.
Sie braucht Arbeit, Zeit und Hingabe. Gerade in einer individualisierten, digitalisierten und beschleunigten Welt kann sie ein Ort echter Erfüllung sein – tragfähige und verwandelnde Gemeinschaft.
Als Fortsetzung der letzten Hoffen-Ausgabe möchten wir dazu ermutigen, Freundschaft neu zu sehen und zu leben: Einsamkeit nicht nur zu beklagen, sondern Alternativen zu entdecken. Freundschaften zu pflegen, zu erneuern oder neu zu beginnen. Vielleicht ist das eine der wichtigsten Investitionen unseres Lebens.
Schalom,
Jonas Großmann
Greifswald, den 12. März 2026


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Auf Augenhöhe. Hoffen 1/2026